logotell_schrift.gif (4687 Byte)
titel1.gif (1719 Byte)titel titel2.gif (1718 Byte)

dam.gif (934 Byte)

spacer.gif (818 Byte)
spacer_Menu.gif (812 Byte)museum_off.gif (1252 Byte)information_off.gif (1430 Byte)geschichte_on.gif (1420 Byte)galerie_off.gif (1220 Byte)kontakt_off.gif (1261 Byte)anreise_off.gif (1236 Byte)Für SchulenSonderausstellungLinks
 

   | Legende | Geschichte | Überlieferung | Hat Tell gelebt ? |   Sp

francais_black.gif (1300 Byte)

italiano_black.gif (1234 Byte)

english_black.gif (1219 Byte)




Raiffeisenbank Schächental

G

E

S

C

H

I

C

H

T

E

 

  Hinweis
Falls Sie dieses Dokument ausdrucken möchten, ändern Sie die Druckereinstellung auf Querformat!

Die Wilhelm Tellsgeschichte

Durch die Erschliessung des Gotthardpasses zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde das Gebiet der heutigen Zentral-schweiz politisch höchst bedeutungsvoll. Im Jahre 1231 erhielt Uri einen kaiserlichen Freiheitsbrief und unterstand damit unmittelbar dem Kaiser. Die Herzöge von Habsburg und auch der Kaiser wollten jedoch ihren Einfluss in Uri verstärken.

Gegen Ende des Jahrhunderts sassen Habsburger auf dem Kaiserthron. Habsburger kamen als kaiserliche Vögte ins Land und versuchten, die Waldstätte ganz ihrer Hausmacht einzuverleiben. Die Landsleute von Uri, Schwyz und Unterwalden sahen dieser Entwicklung indessen nicht tatenlos zu. Der eidgenössische Bund von 1291 war gegen Habsburg gerichtet.

Der habsburgische Landvogt Hermann Gessler wollte die Gesinnung der Landleute von Uri prüfen. Er liess zu diesem Zweck auf dem Hauptplatz in Altdorf einen habsburgischen Hut auf einer Stange anbringen und befahl, jedermann, der am Hut vorbeigehe, müsse als Zeichen der Ehrfurcht den Hut mit entblösstem Haupt grüssen.

Wilhelm Tell und sein Sohn Walter aus Bürglen gingen achtlos am Hut vorbei. Tell wurde festgenommen und vor den Landvogt gebracht. Auf die Frage Gesslers, warum er den Grussbefehl missachtet habe, antwortete Tell ausweichend. Gessler war über diese Antwort erbost und befahl Tell, der als guter Armbrustschütze bekannt war, dem eigenen Sohn Walter einen Apfel vom Kopfe zu schiessen.

Tell erschrak, bot sein eigenes Leben an, um nicht jenes seines Sohnes zu gefährden. Umsonst flehte er Gessler an, diese unmenschliche Strafe zu mildern. Der Vogt entschied sogar, dass Vater und Sohn sterben müssten, falls Tell den Schuss verweigere oder nicht beim ersten Versuch den Apfel treffe. Tell hatte in der . Tat keine Wahl. Er zielte - und der Pfeil traf den Apfel mittendurch. Das herbeigeströmte Volk hielt mit seiner Sympathie nicht zurück und zeigte ungestüme Freude über Tells Meisterschuss.

Gessler war jedoch nicht entgangen, dass Tell zwei Pfeile in seinen Köcher gesteckt hatte und wollte wissen wozu. Tell antwortete, das sei so Brauch bei den Schützen. Gessler liess diese Ausrede nicht gelten und wollte den wahren Grund erfahren. Er sicherte Tell zu, dessen Leben zu schonen, wenn dieser ihm die Wahrheit sage. Nun erklärte Tell aufgebracht, dass er ihn, Gessler, sicher mit dem zweiten Pfeil getroffen hätte, falls der Schuss auf den Apfel missglückt wäre.

Auf diese kühne Antwort hin liess der Vogt Tell neuerlich ergreifen, um ihn für den Rest seines Lebens auf der Burg bei Küssnacht einzukerkern. Gessler und sein Gefolge begaben sich mit dem gefesselten Tell in Flüelen aufs Schiff. Kaum unterwegs, setzte ein gewaltiger Föhnsturm ein, der das Boot zu kentern drohte. Die Schiffsleute erkannten die lebensbedrohende Lage. Sie vermochten Gessler zu überzeugen, dass nur Tell - der als erfahrener Schiffsmann ebenso berühmt war wie als Armbrustschütze - sie aus der Seenot retten könne. Tell wurde losgebunden, übernahm das Steuer des Bootes und hatte nur ein Ziel im Auge, die ihm wohlbekannte Felsplatte am Axen zu erreichen. Als er nahe genug war, ergriff er seine Armbrust, sprang auf den Felsblock und stiess das Boot mit aller Kraft  ins windgepeitschte Wasser zurück. Tell eilte sodann auf kürzestem Wege über Berg und Tal zur „Hohlen Gasse“ bei Küssnacht, wo er auf den Landvogt wartete. Gessler, der dem stürmischen See doch noch entkommen war, kam mit seinem Gefolge herangeritten. Mit dem zweiten Pfeil, den er bereits in Altdorf in seinen Köcher gesteckt hatte, erschoss Tell den tyrannischen Landvogt. Tells Taten wurden schnell im ganzen Land bekannt und stärkten die Bewegung für Freiheit und Unabhängigkeit in der Urschweiz.                                        

 

Text der Tonbildschau

EINLEITUNG                            

Wilhelm Tell:  Wer kennt ihn nicht, unsern Nationalhelden? Als Symbol für Freiheit ist er auf der ganzen Welt bekannt. Wer ist nicht ergriffen, wenn er Tells Taten miterlebt?

I. GESCHICHTE UND LEGENDE

1. Das Land Tells

Hier in Bürglen, im Lande Uri, hat nach der Überlieferung Wilhelm Tell gelebt, als Bauer und Jäger. In einem schönen, aber rauhen Land, wo die ungezähmte Natur den Lebensrhythmus der Menschen bestimmte. Kaum ein Fremder wagte sich hierher, denn Uri war noch ein abgelegenes Tal, vom Norden her nur über den See oder schmale Gebirgspfade erreichbar. Südwärts endete die Welt der Urner an den schroffen Felswänden der Schöllenenschlucht.

Doch zu Beginn des 13. Jahrhunderts gelingt es, Weg und Steg durch die Schöllenen zu bauen. Damit wird die Gotthardroute zur kürzesten, attraktivsten Nord-Süd-Verbindung.

 up.gif (895 Byte)

2. Die Leute

Die Urner waren seit jeher Bauern. Sie bewirtschafteten den engen Talboden und die Terassen und Abhänge der Berge. Gerste, Roggen und etwas Wein waren der karge Lohn ihrer mühsamen Arbeit. Doch was sie den Äckern abtrotzten, genügte kaum zum Leben. So wandten sie sich immer mehr der Viehzucht zu. Durch den Viehhandel in den Städten des Mittellandes und der reichen Lombardei gelangte das Hirtenvolk bald zu Wohlstand und Ansehen.

Im Wald und im Gebirge gab es Wild im Überfluss. Die Jagd war wichtig im Leben der Bergler. Tell selber war ein angesehener Jäger und Armbrustschütze.

 up.gif (895 Byte)

3. Der Reiseweg

Seit dem 13. Jahrhundert prägt der Gotthardpass unser Tal: Uri ist zum Durchgangsland geworden. Ungezählte Viehherden, Kolonnen von Lasttieren überquerten einst den Gotthard. Heute sind es die Schwerlaster auf der Autobahn und der Huckepackverkehr auf der Schiene. Händler, Pilger, Studenten und Soldaten zogen einst durch unser Tal. Heute sind es Heerscharen von Touristen.

Der Reiseverkehr schuf zwar Arbeitsplätze, brachte Verdienst, erweiterte den Horizont der Bergler. Er führte aber auch zu brutalen Eingriffen in die ursprüngliche Landschaft. Die Umweltbelastung bedroht unsere Lebensqualität, heute noch viel mehr als vor Jahrhunderten.

 up.gif (895 Byte)

4. Das gesellschaftliche Leben

Das tägliche Leben zur Zeit Tells war eintönig und hart. Volksfeste, Spiele und Wettkämpfe boten willkommene Abwechslung. Manches hat sich in unserer vielfältigen, heute noch lebendigen Folklore erhalten.

Die Lebenskraft und die natürliche Angriffslust der Bergler führten oft zu Zwist und Streit. Ein Anlass war schnell gefunden: Eine umstrittene Grenze von Weideplätzen, die Ehre eines Mädchens.

 up.gif (895 Byte)

5. Die politische Organisation

Die Bergler kannten die  durchaus Gesetz und Sitte. Uri war vor der Erschliessung des Gotthardpasses ein bedeutungsloses Tal. Von den Feudalherren vernachlässigt, waren die Bewohner während Jahrhunderten sich selbst überlassen. So entwickelten die Urner ihre eigene Gesellschaftsordnung. Diese beruhte auf der Notwendigkeit, wichtige Aufgaben gemeinsam zu lösen: Die Bewirtschaftung der Alpen, die Nutzung der Gewässer, die Erhaltung des Waldes zum Schutze gegen Lawinen und die Verteidigung der Interessen des Tales gegen Übergriffe der Nachbarn.

Alle wichtigen Entscheide wurden an der Landsgemeinde gefasst. Doch mit der Zeit rissen einige reichere Familien die politische Führung an sich. Sichtbare Zeichen sind ihre herrschaftlichen Häuser und die Türme, die sie sich erbauen liessen. Wohl herrschten zur Zeit Wilhelm Tells in den Waldstätten nicht demokratische Verhältnisse im heutigen Sinne, doch beruhte die Gesellschaftsordnung auf der Zustimmung aller freier Talbewohner.

 up.gif (895 Byte)

II. WILHELM TELL IM GESCHICHTLICHEN ZUSAMMENHANG

1. Europa um 1291

Hier, im Herzen Europas, vollbringt Wilhelm Tell seine Taten. Hier wird im August 1291 der eidgenössische Bund geschlossen, der Grundstein der Schweizerischen Eidgenossenschaft gelegt.

Die Kultur Europas durchlebt eine stürmische Entwicklung. Die himmelstrebenden gotischen Dome werden erbaut. In Italien künden die Fresken von Giotto schon die Renaissance an. Dante verfasst die ,,Göttliche Kommödie". Franz von Assisi und Thomas von Aquin erneuern den christlichen Geist. Marco Polo reist bis nach China. Frankreich wird unter Philipp dem Schönen zum modernen Gross-Staat. Das deutsch-römische Reich, zu dem unsere Täler gehören, ist in zwei Lager gespalten: Das eine hält zum Papst, das andere zum Kaiser. Die Lage ist überall gespannt, auch wenn Europa noch nicht von den später hereinbrechenden Katastrophen erschüttert ist: Hunger, Pest und Krieg.

 up.gif (895 Byte)

2. Die Habsburger und die Waldstätte

Die Grafen von Habsburg machen sich die verworrene Lage zu Nutzen. Durch Erbe, Heirat und Gewalt haben sie ihre Hausmacht stark erweitert, ihr Territorium vergrössert. Die Habsburger erstreben nun die Kontrolle über den wirtschaftlich und strategisch wichtigen Gotthardpass und seine Zugangstäler. Wo immer möglich erwerben sie Rechte und Landbesitz in der Region. Überall stellen Sie Beamte, Richter und Steuereintreiber, "Vögte". So unterwandern sie die Machtstrukturen in unsern Tälern.

1273 wird Rudolf von Habsburg zum König gewählt. Er missbraucht die königliche Macht, um das Herzogtum Österreich seinen Stammlanden einzuverleiben.

Das Urserntal ist bereits seit längerer Zeit unter seiner Kontrolle. Im April 1291 erwirbt er käuflich die Stadt Luzern. Die Waldstätte sind eingekreist.

Doch im Juli 1291 stirbt König Rudolf. Die unsichere politische Lage nach seinem Tod ist Anlass zum Bund der Waldstätte vom Anfang August 1291.

 up.gif (895 Byte)

3. Das Zeichen Tells

Vor diesem Hintergrund muss das Eingreifen Tells verstanden werden. Was tut er ?

Er gibt seinem Volk ein Zeichen. Das Zeichen der Weigerung, sich der von den Habsburgern angestrebten Herrschaft zu beugen. Es ist der Aufruf, die Freiheit, die Unabhängigkeit zu bewahren. Das Bergvolk will die Verhältnisse nicht ändern, will Herr seiner Angelegenheiten bleiben, frei im Handel und frei auf seiner wichtigen Verkehrsstrasse.

Tells Weigerung, den Hut des Vogtes zu grüssen, der als anmassendes Zeichen fremder Macht auf dem Platz in Altdorf aufgestellt ist, drückt deutlich die Meinung all seiner Landleute aus. Gessler, der Landvogt, lässt Tell verhaften. Zur Strafe befiehlt er ihm, einen Apfel vom Kopfe seines Sohnes zu schiessen. Tell vollbringt die Tat, gesteht aber, dass er nicht gezögert hätte, den zweiten Pfeil auf den Vogt abzuschiessen, hätte der erste sein Ziel verfehlt. Zornerfüllt lässt Gessler Tell auf sein Schiff bringen. Er will ihn ins Verliess seiner Burg nach Küssnacht führen. Ein aufkommender Sturm gefährdet die Überfahrt. Tell wird von seinen Fesseln befreit, um das abtreibende Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Er steuert das Ufer an, springt auf eine Felsplatte und flieht. Bei Küssnacht wartet Tell die Rückkehr des Vogtes ab und tötet ihn.

Soweit die Erzählung, wie sie uns überliefert ist. Sie berichtet weiter vom Schwur auf dem Rütli. Drei Männer, einer aus Uri, einer aus Schwyz und einer aus Unterwalden versprechen sich unter Eid, gemeinsam ihre Freiheit zu bewahren. Sie hätten, so heisst es, den Aufstand organisiert, den Sturm auf die Burgen der fremden Besetzer und deren Rückzug aus dem Land erzwungen.

Doch historisch gesichert ist nur der Bundesbrief vom August 1291, der heute noch in Schwyz aufbewahrt wird. Dieser ist wohl ein Ja zur Einigkeit und Unabhängigkeit, aber keine Rebellion. Er ist das Werk freier Menschen, die bewusst und überlegt handelten.

 up.gif (895 Byte)

III. TELL IN DER ÜBERLIEFERUNG

1. Hat es Tell wirklich gegeben ?

Hier müssen wir uns die Frage stellen: Hat Tell wirklich gelebt ?

Denn seine Geschichte ist von Geheimnissen und Unsicherheiten umrankt. Kein Zeitdokument bestätigt mit Sicherheit die Existenz Tells. Wir wissen aber ganz allgemein äussert wenig über die geschichtlichen Ereignisse in den Waldstätten aus der Zeit um 1291.

Alles weist jedoch darauf hin, dass sich tatsächlich etwas Einzigartiges ereignet hat, dass jemand ein Zeichen gesetzt hat zum Widerstand gegen fremde Einmischung. Ein Ereignis, das sich tief in der Erinnerung des Volkes festgesetzt hat.

Die Person ,,Wilhelm Tell" kann unmöglich nur in der reinen Fantasie seiner Mitbürger oder ihrer Nachkommen enstanden sein.

 up.gif (895 Byte)

2. Die mündliche Überlieferung

Die Geschichte Tells wird fortan von Mund zu Mund, von Generation zu Generation weitergegeben. Sie wird von den Erzählern ausgeschmückt, um dramatische Zwischenfälle bereichert. Die bekannteste Episode, der Apfelschuss, könnte in Anlehnung an die skandinavische Sage des Kriegers Toko entstanden sein. So steigerte sich die historische Erzählung allmählich zu einer Heldenlegende.

 up.gif (895 Byte)

3. Wie kam es zum Mythos ?

Die früheste Fassung der Tellsgeschichte ist uns in Form einer Volksballade überliefert, wie sie von Bänkelsängern im 15. Jahrhundert vorgetragen wurde. Etwa zur selben Zeit verfasst ein Beamter in Sarnen ein Urkundenbuch für seine Regierung. Er fügt eine Erzählung über die Gründung der Eidgenossenschaft an, wie er sie wohl im Volke gehört haben mag. Sein ,Weisses Buch von Sarnen" enthält die erste vollständige Tellsgeschichte.

Seither taucht Wilhelm Tell bald hier, bald dort auf, ist Mittelpunkt in Chroniken, Heldengalerien und Schauspielen. Diese Tellspiele haben eine lange, erfolgreiche Theatertradition: Mit Schiller, der 1804 sein Meisterwerk uraufführen lässt, und mit der Oper von Rossini, 1829 in Paris komponiert, erreicht sie ihren vorläufigen Höhepunkt.

Inzwischen ist Tell mehr als eine blosse Heldengestalt. Tell verkörpert einen grossartigen Mythos: Den einigenden und staatsgründenden Mythos einer Nation, den Mythos der Freiheit und des Rechts der Völker auf Selbstbestimmung.

 up.gif (895 Byte)

4. Tell und die Politik

Aber der Mythos wird bald angezweifelt: Gibt er nicht das schlechte und gefährliche Beispiel von Revolte und Tyrannenmord ? In der Schweiz versucht die städtische Aristokratie seit dem 16. Jahrhundert, Wilhelm Tell zu verdrängen, ihn vergessen zu machen. Vergebliche Mühe. Wilhelm Tell hat tausend Leben, ist immer wieder da. Und er schickt sich an, die Welt zu erobern. Im Zeitalter der Aufklärung und der Revolutionen feiert Wilhelm Tell Triumphe. In der Schweiz berufen sich die Patrioten auf Tell. Er nimmt an der amerikanischen Revolution teil. Dann finden wir Tell im Brennpunkt des revolutionären Frankreich, zum Ehrenbürger ausgerufen; er wird Jakobiner, Vorbild Robespierres und schliesslich Königsmörder. 

Das wird seinen biederen Landsleuten zuviel, sie verstossen ihn. Es brauchte Napoleon, der bekanntlich sagte:,, Die Kinder Tells legt man nicht in Fesseln ,, - und Schiller, um seinen Ruf im eigenen Lande wieder herzustellen.

Den Konservativen ist er seitdem verdächtig geworden. Die Intellektuellen glauben, den Mythos demontieren zu können und die Legende verstauben zu lassen. Weit gefehlt. Das Volk steht zu seinem Tell. Denn es findet in ihm seine Identität, den Verteidiger seiner Einigkeit und Unabhängigkeit, wenn diese von aussen bedroht ist, wie während des ersten und zweiten Weltkrieges.

 up.gif (895 Byte)

5. Tell heute

Der Streit der Wissenschaft um die Existenz Tells, die ironische Verachtung durch die Intellektuellen, der Missbrauch seines Namens im Dienste ausgefallenster Ideen haben es nicht geschafft, Wilhelm Tell vom Sockel zu stürzen.

Tell ist gegenwärtig bei allen öffentlichen Anlässen der Schweizer, im Inland ebenso wie im Ausland, von Argentinien bis Japan. Mit Tell wird in jeder Wahlkampagne, bei jeder Abstimmung argumentiert. Er ist Werbeträger für alle möglichen und unmöglichen Produkte und Dienstleistungen. Und seine Armbrust, ist sie nicht Symbol für Schweizer Qualität, für ,,Made in Switzerland"?

Nicht zu zählen sind die Filme, Femseh-Serien, Trickfilme, einer phantasievoller als der andere, aber alle von derselben unerschöpflichen Quelle inspiriert: Von der Geschichte Wilhelm Tells, die im Publikum immer wieder Anklang findet.

 up.gif (895 Byte)

6. Zum Schluss

So ist Wilhelm Tell mitten unter uns, in unserem Leben, in unserem Bewusstsein. Er ist uns heute ebenso gegenwärtig, wie seinem Volke vor 700 Jahren. Denn das Zeichen, das sein Mut gesetzt hat, die Botschaft, die er vermittelt hat, sind heute und auch in Zukunft gültig. Zeichen und Botschaft für unser kostbarstes und doch so zerbrechliches Gut: Die Freiheit; die Unabhängigkeit unserer Volksgemeinschaften.

 

Tell im Lichte historischer Quellen

Hat Tell wirklich gelebt ?

  1. Seit Jahrhunderten haben sich Geschichtsschreiber und Geschichts-forscher mit der Existenz Tells, mit den Vorgängen bei der Befreiung der Waldstätte und mit der Gründung der Eidgenossenschaft befasst. Es gibt wohl keine oder nur wenige Schweizergestalten, über die im In- und Ausland so viele wissenschaftliche Werke, kritische Studien, Gedichte, Lieder, Spiele und sogar Romane geschrieben worden sind, wie über Wilhelm Tell. Im Tell-Museum wird davon eine umfassendeSammlung gezeigt.

  2. Im 19. Jahrhundert wurde die Tell-Erzählung belächtelt und als Volks-sage, ja als unwahrscheinliches Märchen qualifiziert. Heute steht die ernsthafte Geschichtsforschung auf dem gemeinsamen Standpunkt, dass der Tellgestalt und seinen Taten ein historischer Kern nicht abgesprochen werden kann.

  3. Ob Tell wirklich so geheissen hat, ist unwichtig. Es geht der Ge-schichtsforschung vielmehr darum, klarzulegen, ob es im Zusammen-hang mit der Gründung der Eidgenosssenschaft eine Persönlichkeit gab, die in besonderem Masse zur Befreiung der Waldstätte beigetragen hatte.

  4. Geschichtliche Belege wie Urkunden, Chroniken von Zeitgenossen oder Jahrzeitbücher sind nicht oder nicht mehr vorhanden. Es gibt auch keine selbständig existierende Tellensage. Tell wird immer mit der Befreiungsgeschichte der Eidgenossenschaft in Zusammenhang gebracht.

  5. Man kann sich heute nur auf die Überlieferungen stützen.
    Wir begegnen Tell erstmals im "Weissen Buch von Sarnen" (um 1470), im "Alten Tellenlied" (um 1477) und in der Chronik von Melchior Russ von Luzern (datiert 1482)

  6. Das "Weisse Buch von Sarnen" ist ein Urkundenbuch, das im Staatsarchiv des Kantons Obwalden aufbewahrt wird. Es wurde vom Landschreiber Hans Schriber um 1470-1472¹ geschrieben oder vielmehr nach einer älteren Vorlage, die um 1420¹ entstanden sein dürfte, neue verfasst.
    Vielleicht stand Hans Schriber, nach einer These von Dr. Karl Meyer, eine Art Protokoll über die Bundesgründung zur Verfügung.
    Dr. Karl Meyer war der Ansicht, dass sich Kopien dieses Gründungsprotokolls auch in den Kantonshauptorten Altdorf, Schwyz und Stans befunden haben könnten. Da aber alle diese urschweizeri-schen Staatsarchive den Feuersbrünsten weitgehend zum Opfer fielen, kommt dem noch vorhandenen "Weissen Buch von Sarnen" um so grössere Bedeutung zu.

  7. Die zweite Hauptquelle für die Tell-Erzählung ist das "Alte Tellenlied", das um 1477, nach dem Burgunderkrieg, entstanden war. Es besingt das Werden und Wachsen der jungen Eidgenossenschaft. Von Tell erzählt es nur den Apfelschuss, die Drohung des Vogtes für den Fall, dass der Meisterschütze nicht treffen sollte und die Antwort Tells auf die Frage nach dem 2. Pfeil.

  8. Als dritte Hauptquelle für die Tellsgeschichte kann man die Chronik von Melchior Russ betrachten. Er selber datiert sie auf das Jahr 1482. Russ erwähnt das Tellenlied. Er beschreibt ein neues Ereignis aus der Tell-Erzählung:
    Tell habe sich auf dem Rütli bei seinen Landsleuten über den Apfelschuss und die grobe Behandlung durch den Vogt beklagt. Er sei gefangen genommen und auf der Seefahrt ans Ruder gestellt worden. Er habe den Sprung auf die Platte getan und von dort aus den Vogt erschossen. Man findet diese Erzählung auch auf einigen alten Stichen bildlich festgehalten.

  9. Es bleibt der künftigen Geschichtsforschung überlassen, Quellen der Überlieferung weiter auszuschöpfen.
    Wir wollen uns freuen, dass unser Freiheitshelden Wilhelm Tell heute wieder unbelächelt vor der Jugend und selbst vor einem kritischen Volk stehen darf. Wir sind stolz auf unsern Freiheitsstifter.

    Er lebt im Volk von Uri.
    ¹ Nach Bruno Meyer im "Weisses Buch und Wilhelm Tell", 1985, 3. Auflage, S. 21.


up.gif (895 Byte)